Ikonen

Das Wort Ikone stammt von dem griechischen Wort εἰκών, welches übersetzt so viel wie "Bild" oder "Abbild" bedeutet. Das Wort Ikone bezeichnet in unserem Sprachgebrauch ein Kultus- bzw. ein Heiligenbild.
Auf der Ikone ist eine verehrte Person in künstlerischer Weise dargestellt. Heut stellen wir uns unter einner Ikone meistens ein auf eine Holzplatte gemaltes Tafelbild vor. Jedoch ist zu dieser Vorstellung einer Ikone zu ergänzen, dass es auch Ikonen gibt, die auf Leinwände, als Fresken, oder als Mosaiken gestaltet sind. Am weitesten verbreitet ist jedoch tatsächlich die auf Holz gemalte Ikone.

Zur Geschichte

Die ältesten bis heute erhaltenen Ikonen stammen aus dem sechsten Jahrhundert. Sie sind zumeist an eher abgelegenen oder schwer zugänglichen Orten erhalten geblieben. Zu den ältesten Ikonen zählen zum Beispiel Darstellungen aus dem Katharinenkloster im Sinai (Ägypten).

Diese Ikonen stammen noch aus der Zeit vor dem dem Bilderstreit. Der Bilderstreit war im 8. und 9 Jahrhundert in der orthodox-katholischen Kirche ein großes Streitthema. Es ging darum, wie in rechter Weise Ikonen verehrt und gebraucht werden sollen. Die eine Partei war in diesem Streit für die Verehrung von Ikonen (Ikonodulen) und die Gegenpartei zerstörte Ikonen und bildliche Darstellungen, da sie gegen die Verehrung von Ikonen war (Ikonoklasten). Die Ikonoklasten zerstörten große Mengen von Ikonen und daher sind Ikonen, die aus der Zeit vor dem Bilderstreit stammen ein große Seltenheit.

Auch wenn der Bilderstreit damit noch nicht beendet war, so entschied doch das zweite Konzil von Nicäa (787 n. Chr.) wie die Kirche sich zu diesem Streit verhält. Da es noch nicht zu einer Trennung gekommen war, gelten die Konzilien dieser Zeit sowohl für die orthodoxe, wie für die katholische Kirche. Offiziell erlaubt war fortan die Verehrung von Ikonen, nicht aber deren Anbetung. Das Konzil wendete sich also gegen die Zerstörer der Bilder, die Ikonoklasten. Gleichzeitig wollte es aber auch Abwege und Verselbstständigungen der Verehrung vermeiden. Daher wurde beschlossen, dass die Ikonen fortan beschriftet werden sollen. Es soll auf dem Bild vermerkt sein, wenn die Ikone bezeichnet, ob nun Jesus Christus, oder einen der Heiligen. Dies brachte einiges an Klarheit in die Streitigkeiten um die Ikonenverehrung. Der Bilderstreit endete jedoch erst etwa 60 Jahre später.

Zum theologischen Hintergrund

Inkarnation: Dass sich das Konzil für die Verehrung von Ikonen bzw. für das Abbilden von Jesus Christus und Heiligen ausspricht, hat u. a. seinen Grund in der Inkarnation. Inkarnation bezeichnet die Fleischwerdung (lat. carne - Fleisch), also die Menschwerdung Gottes. Weil Gott sich selbst als Mensch gezeigt hat und den Menschen somit sein Gesicht gezeigt hat, ist es auch erlaubt dieses Gesicht darzustellen. Das Gegenargument war das zweite Gebot "Du sollst dir kein Gottesbild machen" (Ex 20,4). Dies schien aber nun nach der Menschwerdung Gottes zumindest relativiert zu sein.

Platonismus: Um diesen Streit, der um die Verehrung von Bildern entbrannt war, verstehen zu können muss man zumindest ein klein wenig vom Platonismus verstehen, der das Denken der Menschen, selbst bis ins frühe Mittelalter hinein stark prägte. Für den Platonismus ist alles was existiert ein Abbild von einem Bild, welches ursprünglich ist und daher Urbild genannt wird. Somit ist zum einen alles wesentlich, also in seinem Wesen, miteinander verbunden, da es auf ein Urbild zurückzuführen ist. Zum anderen zeigt sich in den konkreten Dingen immer ein Stück der Wirklichkeit, also das Wesen des Urbilds. Das Konkrete, das Abbild hat Anteil am Wesen des Abstrakten, des Urbilds. In einem Bild von jemandem, ist dieser Jemand also gegenwärtig, da das Bild ein Abbild von der wirklichen Person ist.

Übertragen auf die Ikonen bedeutet das, dass in einer Darstellung von einem Heiligen, oder gar von Christus selbst, dieser in gewisser Weise gegenwärtig ist, da es Abbild eines "Bildes", einer Person ist. Daher konnte man auch darauf kommen, dass Menschen an so etwas wie Anbetung dachten, wenn Christen Ikonen verehrten. Wenn eine Christusikone verehrt wird, gleichzeitig aber angenommen wird, dass Christus selbst gegenwärtig ist in diesem Bild, so fehlt nicht viel darauf zu schließen, dass diese stattfindende Verehrung eigentlich Anbetung Gottes ist, der in dieser Ikone gegenwärtig ist.

Unterschiede in der katholischen und der orthodoxen Kirche: Auch wenn das zweiten Konzil von Nicäa noch für beide Kirchen, für die orthodoxe und die katholische verbindlich ist, so hat sich doch mit der Zeit ein unterschiedliches Verständnis der Bedeutung von Ikonen entwickelt. Während die Verehrung von Ikonen in der katholischen Tradition nie eine große Bedeutung hatte, so wurde doch die Ikonenverehrung in der orthodoxen Kirche sehr prominent. Dies mag daran liegen, dass in der katholischen Kirche nicht davon ausgegangen wird, dass in Ikonen Gott, oder der dargestellte Heilige selbst gegenwärtig ist. Ikonen sind Bilder von Christus, oder von heiligen Menschen, die dem Beter helfen sollen in seinem Gebet.

Die orthodoxe Kirche folgte an diesem Punkt sehr stark dem Platonismus. Ein Bild, welches Christus darstellt hat auch gleichzeitig Anteil am Wesen Christi. Es zeigt nicht einfach wie eine Person ausgesehen hat, sondern es ist tatsächlich der Dargestellte Gegenwärtig in diesem Bild. Daher wird in der orthodoxen Tradition den Ikonen auch deutlich größere Ehrerweisung entgegengebracht.

Klassische Bildthemen

Wenn man einmal ganz grob die Themen der Ikonen aufgliedern wollte, so könnte man drei größere Gruppen unterteilen. Eine erste Gruppe sind Darstellungen, in denen Christus im Zentrum steht. Eine zweite Gruppe von Ikonen hat Maria im Zentrum der Darstellung und eine dritte Gruppe hat das Leben von Engeln und Heiligen zum Thema. Neben diesen drei großen Gruppen gibt es dann noch eine ganze Reihe von speziellen Darstellungsformen, wie beispielsweise Ikonen der Dreifaltigkeit, Ikonen, die den Kalender des Jahreskreises aufnehmen, das Leben Jesu oder seinen Stammbaum. Dies sind aber jeweils für sich noch einmal eigene Gruppen.
Im Folgenden werden bei jeder Gruppe von Bildthemen einige herausgegriffen und ihre Charakteristika beschrieben. Die Beschreibungen sollen helfen die Symbolsprache von Ikonen besser zu verstehen und häufig kann dieses Symbolverständnis auch auf andere Ikonen übertragen werden.

Im Zentrum dieser Ikonen steht Jesus Christus. Diese Gruppe von Darstellungen lässt sich auch noch einmal unterteilen in Ikonen, die Szenen aus dem Leben Jesu aufgreifen und darstellen und in Ikonen, die Christus losgelöst von einer bestimmten Szene seines Lebens darstellen, zum Beispiel als Pantokrator, als Retter der Seelen, als Guten Hirten …

Szenen aus dem Leben Jesu

Die Geburt Jesu

In der Ostkirche, und so auch auf den Ikonen, ist die Tradition erhalten geblieben, die Geburt Jesu in einer Höhle darzustellen. So wird die Gottesmutter in der Höhle mit dem gerade zur Welt gekommenden Jesuskind dargestellt. Die beiden Personen bilden den Mittelpunkt der Ikone. Der Blick der Mutter richtet sich auf das Kind. Nicht selten wird auch dargestellt, wie dieses gerade von einigen Frauen gebadet wird. In der Höhle haben auch die lediglich außerbiblisch bezeugten Ochs und Esel einen festen Platz.
Um die Höhle herum sind weitere Personen positioniert. So finden sich dort die heran eilenden und zum Teil schon anbetenden Hirten, die Engel, die ihnen von der Geburt Jesu künden und die die nahenden Magier (Weisen). Josef, der Mann Marias wird immer außerhalb der Höhle dargestellt und ist in Gedanken versunken. Häufig ist auch noch ein greisenhafter Hirte am Bildrand dargestellt. Die Deutungen zu diesem Mann gehen sehr weit auseinander – vom Propheten Jesaja bis hin zum Versucher, dem Teufel.

Die Höllenfahrt und Auferstehung Christi

Auf dieser Ikonen-Darstellung wird etwas dargestellt, was eigentlich nicht Teil des christlichen Glaubensbekenntnisses ist: die Höllenfahrt Christi. Im Glaubensbekenntnis wird der Hinabstieg Christi ins Reich des Todes bekannt, nicht aber eine Höllenfahrt wie sie auf den Ikonen dargestellt wird. Die Ikonen-Schreiber orientierten sich hierbei an apokryphen, also nicht-biblischen Evangelien. In ihnen wird auf recht dramatische Weise beschrieben, wie Christus durch die Unterwelt schreitet und die Pforten des Hades zerschlägt.
Auf den Ikonen steht Christus im Zentrum, der gerade durch eine zertrümmerte Pforte aus der Hölle aufsteigt. Christus umgibt eine Aureole, ein Heiligenschein, der seinen ganzen Körper umgibt. Links und rechts von ihm sind viele Menschen dargestellt, die auf ihn ausgerichtet sind. Sie symbolisieren die Menschen, die im Reich des Todes gefangen waren. Manche Gestalten kann man sogar identifizieren. So sind zum Beispiel häufig Propheten des Alten Bundes und auch der direkte Vorläufer Jesu, der Täufer Johannes zu erkennen.
Direkt zur Seite Jesu befinden sich zwei Personen, die Jesus gerade zu sich hoch zieht. Es sind Adam und Eva, die als erste Menschen überhaupt, für die ganze Menschheit stehen. Christus fasst sie am Handgelenk, dort wo ihre Pulsader verläuft – ein Zeichen dafür, dass neues Leben in sie fährt.

Die Himmelfahrt Christi

Bei dieser Ikone gibt es zwei Bildhälften, eine himmlische und eine irdische Hälfte. In der himmlischen Hälfte ist Christus dargestellt, der sich gerade aufwärts bewegt. Um ihn herum ist ein, den ganze Körper umgebender Heiligenschein, auch Aureole genannt. Engel umgeben diese Aureole und scheinen sie himmelwärts zu tragen. Christus sitzt in dieser Aureole und seine Hände deuten einen Segensgestus an. Diese Vorstellung der Himmelfahrt Christi ist angelehnt an die Apotheose der römischen Kaiser. Man stellte sich vor, dass die Kaiser nach ihrem Tod von Adlern oder anderen Wesen auf einem Schild gen Himmel getragen werden.
Die untere Bildhälfte zeigt die auf der Erde zurückbleibenden Jünger Jesu. Meistens wird auch die Mutter Jesu in der Mitte der Jünger dargestellt. Sie wird häufig als Symbol für die Kirche gedeutet. Die Blicke der Zurückbleibenden sind sehr interessant. Viele schauen dem Auffahrenden Christus hinterher – manche freudig, die meisten entsetzt -, manche scheinen sich untereinander zu fragen, was das bedeuten soll, was gerade geschieht und manche richten auch ihren Blick auf Maria, als erhofften sie sich von ihr eine Erklärung.

Das selbstständige Christusbild - Pantokrator

Christus, der Pantokrator ist eine sehr weit verbreitete Darstellung. Das Wort Pantokrator stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Allherrscher“ oder „Allerhalter“. Älteste Beispiele dieses Bildtyps stammen aus der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts. Manchmal ist auf diesen Ikonen eine metallene Platte angebracht. Diese ist zunächst nicht zur Verzierung, sondern zum Schutz dort angebracht. In der Verehrung werden häufig die Ikonen berührt, oder auch geküsst. Um die Ikone selbst vor der Abnutzung zu schützen bringt man solch einen Schutz an, der dann natürlich sehr aufwendig und kunstvoll gestaltet wird.
Diese Ikone zeigt fast immer ein Brustbild des frontal dargestellten Christus. Jemanden von der Brust aufwärts darzustellen, war typisch, um Philosophen in jener Zeit zu portraitieren. Christus wird also als Lehrer dargestellt. Die Strenge und Souveränität, die vom Blick des dargestellten Christus ausgehen lassen auf die universal-kosmische Macht, die Jesus verliehen ist.
Bestimmte Merkmale sind bei der Pantokrator-Darstellung fast immer zu finden. Christus wird als reifer und erwachsener Mann dargestellt. Sein Haar, sowohl Haupt- als auch Barthaar, sind gut gepflegt. Die Haare sind in der Mitte gescheitelt. Er trägt ein Untergewand und einen Überwurf im Stil der Spätantike. In der linken Hand trägt er eine Bibel, die manchmal verschlossen, manchmal aufgeschlagen ist. Wenn sie aufgeschlagen ist, ist ein Zitat der Schrift zu lesen. Der rechte Arm ist zu einem Segensgestus erhoben.
Die Darstellung von Christus als Pantokrator gibt es in vielen verschiedenen Varianten, die aber letztlich alle mehr oder weniger diesem groben Darstellungsmuster folgen. So gibt es zum Beispiel die Darstellungsform „Christus der Wohltäter“, der sehr stark dem klassischen Bildtyp des Pantokrators ähnelt, der jedoch in seinem Blick – das wird häufig nur sehr subjektiv wahrgenommen – ein wenig mehr Güte zeigt, als der sehr streng blickende Pantokrator. Eine Variante in die entgegengesetzte Richtung gibt es auch. So wird dieser Bildtyp „Erlöser mit dem zornigen Auge“ genannt. Hier besagt der Titel schon den entscheidenden Unterschied Der Christus auf dieser Ikone schaut zornig, in manchen Ikonen fast schon grimmig aus.

Marien-Ikonen

Im Zentrum dieser Ikonen steht die Gottesmutter Maria. Wie bei den Christusikonen lässt sich auch hier die Unterscheidung machen zwischen Ikonen, die Szenen aus dem Leben Marias aufgreifen und Ikonen, die Maria selbst ins Zentrum stellen, ohne sich auf eine bestimmte Szene ihres Lebens zurückzubeziehen.

Szenen aus dem Leben der Gottesmutter

Die Verkündigung

Wohl die am meisten dargestellte Situation aus dem Leben der Gottesmutter – vielleicht neben der Geburt Jesu – ist die Verkündigung der Geburt Jesu. Im Zentrum dieser Darstellung befinden sich die Gottesmutter Maria und der Erzengel Gabriel. Nicht selten ist auf der Darstellung gar nicht viel mehr zu sehen.
In der Regel wird Gabriel mit einem Flügelpaar dargestellt, welches ihn eindeutig als Engel kennzeichnet. Er steht der Maria zugewendet, oft mit einer auf sie hinweisenden Geste. Maria selbst ist häufig sitzend, manchmal auch stehend dargestellt. Um sie als schriftkundige und fromme Jüdin zu charakterisieren, ist ihr häufig eine Schriftrolle, oder ein Buch in die Hand gegeben, die die Bibel symbolisieren.
Um die beiden zentralen Personen herum ist manchmal ein palastähnliches Gebäude zu erkennen, der die Vorstellung der Maria als einen „geistlichen Palast“ unterstreicht. Manchmal ist auf dem Gemälde zwischen dem Engel und Maria noch ein Zeichen für die Gegenwart des Heiligen Geistes zu finden, etwa eine Taube, ein Licht, oder ein auf Maria zielender Strahl.

Das Entschlafen der Gottesmutter

Die Darstellung nimmt den Moment des Todes der Gottesmutter auf. Maria liegt in der Mitte des Bildes, um sie herum versammelt sind die zwölf Apostel, die um die Mutter ihres Herrn trauern. Hinter der Totenbahre steht Christus, ihr Sohn, der jedoch für die Apostel unsichtbar zu sein scheint. Christus trägt auf dem Arm Etwas, in weißen Laken eingewickeltes. Dies wird auf Russisch dusenka, „Seelchen“ genannt und deutet an, dass Jesus die Seele seiner Mutter mit in den Himmel nimmt. Dies kann als ein Hinweis auf den Glauben daran sein, dass Maria nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen wurde. Anders aber, als in der Westkirche, wurde in der Ostkirche die Aufnahme Mariens in den Himmel nie dogmatisiert.   Meistens sind unter den umstehenden Aposteln zumindest zwei zu identifizieren, die Apostelfürsten Petrus und Paulus. Auch wenn sie nicht beschriftet sind, und auch nicht die für sie klassisch gewählten Attribute tragen, so erkennt man sie in der Regel, an der für sie typischen Kopfform. Häufig finden sich in der Gruppe der um Maria versammelten auch noch einige Bischöfe der frühen Kirche, die bedeutsam in der Entwicklung und Verbreitung der Marienlehre und ihrer Verehrung waren.

Gottesmutter mit Emmanuel

Diese Darstellung der Gottesmutter zeigt Maria frontal, manchmal nur in einem Brustbild, manchmal stehend mit ihrem ganzen Körper. Das markante an dieser Darstellung ist ein Rundschild (lat. clipeus), welches vor ihrer Brust ist. In diesem kreisrunden Schild ist Jesus, noch als ein kleines Kind dargestellt.
Maria hat die Arme erhoben und in der Orantenhaltung – einer klassischen Gebetsposition, die man heute noch oft bei Priestern sehen kann. Manchmal hat auch das Jesuskind den gleichen Gestus, manchmal hält es aber auch zum Beispiel eine Schriftrolle in der Hand. Die Ikone wird auch „Gottesmutter des Zeichens“ genannt, was auf einen Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja anspielt:
„Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben“ (Jes 7, 14).
Dieser Vers wird so verstanden, dass er die Ankunft des Christus voraussagt, das Zeichen ist dann Christus selbst, der Emmanuel.

Die Gottesmutter mit dem Kind auf dem Arm

Sicherlich am häufigsten werden einem Darstellungen begegnen, die in irgendeiner Variante das Thema der „Gottesmutter mit ihrem Kind auf dem Arm“ aufnimmt. Aber in der Tat gibt es zu diesem Ikonenthema eine ganze Reihe von Varianten.
Die Darstellung wurde ein in der christlichen Kunst dominierendes Motiv nach dem Konzil von Ephesus (432 n. Chr.). Dort wurde neben anderen Beschlüssen auch der Titel „Theotokos“ (Gottesgebärerin) für die Jungfrau Maria anerkannt. Die Anerkennung dieses Titels war zwar aus den Auseinandersetzungen um das Verständnis Jesu Christi entstanden, hob aber gleichzeitig auch Maria als jene Frau hervor, die tatsächlich Gott in ihrem Schoß getragen hat. In Folge dieser Entscheidung mehrten sich die Darstellungen der Gottesmutter mit dem Gotteskind auf dem Arm. Sie nahmen nun auch Stellen im Kirchenraum ein, die sonst allein Christus vorbehalten waren.
Klassisch bei dieser Darstellung ist, dass Maria ein Maphorion, also ein Tuch trägt, welches ihr Haupthaar und die Schultern bedeckt. Auf ihrem Arm – meistens auf dem Linken – trägt sie das Jesuskind, welches aufrecht sitzt. Mit ihrem rechten Arm deutet sie häufig auf Jesus hin, als wenn sie dem Betrachter ihren Sohn zeigt und auf ihn verweist. Häufig sind die Häupter der beiden Personen mit einem Heiligenschein umgeben. Jesus hebt in der Regel den rechten Arm und macht einen Segensgestus (zwei Finger der Hand sind erhoben).

Ikonen von Engeln und Heiligen

Der Erzengel Michael

Der Engel Michael gilt als Fürst der Engel. Er wurde bereits im Alten Testament vom Volk Israel verehrt und gilt auch nun für die Christenheit als Fürsprecher vor Gott. Ihm werden sehr viele Eigenschaften und Aufgaben zugeschrieben, die sich dann wiederum auch in der Darstellungsweise wiederfinden. Es lassen sich grundsätzlich zwei Darstellungsweisen Michaels unterscheiden. Zum einen gibt es Darstellungen, die ihn als Fürsten der Engel, mit einem Herrscherstab und einer Weltkugel, manchmal auch in liturgischen Gewändern gekleidet, zeigt. Eine andere klassische Darstellungsweise zeigt ihn als Krieger, ausgestattet mit einer Rüstung und einem Schwert.
Die Darstellungen, in denen er als Engelsfürst auftritt stehen oft im Zusammenhang mit seiner Aufgabe am Ende der Welt. Der Erzengel soll bei der Apokalypse das Weltgericht ankündigen. So gibt es etwa Darstellungen, bei denen er mit einer Posaune gezeigt wird, die das Kommen Christi ankündigen.

Als Krieger wird er oft als Kämpfer gegen „das Böse“ gezeigt. Er ist beispielsweise der – und da gleicht er den Darstellungen des Hl. Georg recht stark – der den Drachen, das Symbol der Barbarei, niederkämpft. Er ist aber auch der, der für die Gerechtigkeit kämpft, und so zum Beispiel als Kämpfer gegen die Verfolger dargestellt wird.

Die Apostel

Am häufigsten werden von den Heiligen die Apostel dargestellt. Ähnlich wie in der Westkirche gibt es bestimmte Merkmale, an denen sich die Apostel identifizieren lassen, selbst für den Fall, da sie nicht beschriftet sind. Die Merkmale sind jedoch nicht wie in der römischen Tradition, bestimmte Attribute, sondern bei den Personen selbst zu finden (Gestik, Mimik, Aussehen etc.).
Eine besondere Prominenz in der Ikonenmalerei haben vier der Apostel, nämlich Petrus, Paulus, Johannes und Andreas. Zum einen lässt sich diese besondere Betonung der Stellung dieser Apostel mit den neutestamentlichen Texten begründen, jedoch wiegen die historisch-kirchenpolitischen Gründe definitiv nicht geringer.

Besonders die Aufnahme Andreas in diesen Viererkreis mag erstaunen, lässt sich aber zugleich leicht aus der Kirchengeschichte erklären. Die Stadt Konstantinopel sollte zum „Neuen Rom“ gemacht werden und da brauchte es auch eine kirchlich-apostolische Legitimation, um die Bedeutung des „Nea Roma“ gegenüber dem alten Rom zu behaupten. Andreas – der erstberufene Jünger Jesu – galt als der Apostel, der den ersten Bischof von Konstantinopel eingesetzt hatte und so hatte man ein „apostolisches Gegengewicht“ zu Rom, wo schließlich die beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus begraben lagen.

Es folgt nun eine kurze Auflistung mit einigen ikonographisch typischen Details, mit denen die Apostel zu identifizieren sind. Anzumerken sei an dieser Stelle, dass es durchaus verschiedene Darstellungstraditionen im Laufe der Geschichte und abhängig vom Entstehungsort gab. Daher können die hier genannten Merkmale in anderen Traditionen eine andere Ausprägung erfahren haben. Die Zuordnungen folgen primär dem Malerbuch des Athosklosters.
Petrus: volles graues Haupthaar, grauer Vollbart, ruhender Blick Paulus: sehr aufgeweckter Blick, kahle Stirn, schwarzes Haupthaar, schwarzes Barthaar Johannes: dargestellt als Greis, weißes Haupt- und Barthaar Andreas: reifer Mann, ergrautes Haupt- und Barthaar, etwas zerzaustes Haar, weit geöffnete Augen, üppige Brauen Jakobus der Ältere: Mann mittleren Alters, dunkler Bart Jakobus der Jüngere: Greis, lockiges Haar, gespaltener Bart Philippus: jugendlicher Mann, ohne Bart Bartholomäus: leicht gräuliches Haar, kurzes Haupt- und Barthaar Matthäus: Greis, langer Vollbart, ausgeprägter Schnurrbart, etwas welliges Haupthaar Thomas: jugendlicher Mann, ohne Bart Simon „Zelotes“: Greis, kahler Kopf, runder Bart Judas Thaddäus: jugendlicher Mann, keimender Bart Matthias: reifer Mann, kahles Haupt.​

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