Sprichwörter und Redewendungen mit christlichem Ursprung

Auf Händen tragen

 

Diese Redewendung, meist im romantischen Zusammenhang verwendet, bedeutet zum Beispiel Jemanden liebevoll und aufmerksam zu behandeln. Es heißt auch Jemanden zu verwöhnen oder ihn/sie vor allem Unheil bewahren zu wollen.

Viele wissen nicht, dass diese liebevolle Redensart ursprünglich aus der Bibel stammt und zwar aus dem Psalm 91. Darin geht es um Gott, der seinen Engel befiehlt dich zu beschützen und somit auf Händen zu tragen. 

“Wenn der Herr deine Zuflucht ist, wenn du beim Höchsten Schutz suchst, dann wird das Böse dir nichts anhaben können, und kein Unglück wird dein Haus erreichen. Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu beschützen, wo immer du gehst. Auf Händen tragen sie dich, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.” (Psalm 91,9-12)

 

Auf Herz und Nieren prüfen

 

Die Redewendung etwas „auf Herz und Nieren prüfen“ hat einen biblischen Ursprung.  König David betet in Psalm 7, im Alten Testament „[…] du bist ein gerechter Gott und prüfst die Menschen auf Herzen und Nieren.” Und auch in anderen biblischen Texten kommt dieser Ausdruck vor, wie in Jeremia Kapitel 11 „Aber du, HERR Zebaoth, du gerechter Richter, der du Nieren und Herzen prüfst […]“.

Damals galten Herz, Nieren und auch Leber als Sitz der Gemütsbewegungen, quasi das Innerste der Menschen. Diese großen inneren Organe galten auch früher im Judentum als lebenswichtig. Das Herz steht hierbei für den Sitz der Gefühle und Gefühlswelt und die Nieren, als auch die Leber, für die Stimmungen und Lebenskraft des Menschen. Die Redensart etwas „auf Herz und Nieren“ zu prüfen meinte also zu der biblischen Zeit die Gefühle und das Innerste einer Person genauestens zu erforschen.

Bald entwickelte sich die Bedeutung der Redensart weiter und meint heute nicht mehr nur die detaillierte Prüfung eines gesamten Menschen, sondern kann auch für jegliche genaue und akribische Prüfung einer Sache oder Situation sein.

„Aber du, HERR Zebaoth, du gerechter Richter, der du Nieren und Herzen prüfst, lass mich deine Rache an ihnen sehen; denn dir habe ich meine Sache befohlen.“ (Jeremia 11, 20)

“Der Bosheit der Gottlosen mach ein Ende, aber hilf dem, der dir gehorsam ist. Denn du bist ein gerechter Gott und prüfst die Menschen auf Herzen und Nieren.” (Psalm 7,10)

 

Auge um Auge, Zahn um Zahn

 

Damals im Alten Testament erhielten Moses und das Volk Gottes viele Anweisungen und Regeln von Gott. Innerhalb einer dieser Aufzählungen steht im 2.Mose 21 auch der heutzutage noch gebräuchliche Ausdruck „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. In dem alten Bibeltext geht es um Vergeltung und zwar darum Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Also wenn jemand einen anderen am Auge verletzt hat, soll er selbst auch am Auge verletzt werden.

Heutzutage wird dieses Sprichwort ebenfalls im Zusammenhang mit Rache und Vergeltungsplänen verwendet. Beispielsweise in Situationen, in denen sich Leute für Ihre Rache rechtfertigen wollen, könnten Sie diesen Satz sagen. Bei dieser Redewendung ist jedoch zu erwähnen, dass diese Regeln speziell für das Alte Testament galten und sich im Neuen Testament viele Bibelstellen finden lassen, die diese Verhaltensregeln ganz gezielt aufheben und ins Gegenteil verkehren.

Das bekannteste Beispiel hierfür ist Jesus selbst, der in seiner Bergpredigt sagt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. […] Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“ Dies steht im Matthäus Evangelium Kapitel 5, Verse 39 – 42.

Durch diese Aussage hat Jesus klargestellt, dass die Redewendung „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ nicht mehr aktuell ist, sondern man sich eher gegenteilig verhalten sollte. Als Christ sollte man also nicht mehr Böses mit Bösem vergelten und nach Rache sinnen, sondern versuchen Frieden zu stiften und seinen Mitmenschen zu vergeben. So steht es auch im Römerbrief Kapitel 12 im Neuen Testament geschrieben: „vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, […] so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; […] Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

 

„Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Beule um Beule.“ (Exodus/2.Mose 21,24 & 25)

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“ (Matthäus 5, 39 – 42)

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12, 17 – 21)

 

David gegen Goliath

 

Der Ausdruck, oder vielmehr Vergleich, „David gegen Goliath“ geht auf eine Geschichte aus der Bibel aus dem Alten Testament zurück.

Damals standen sich das Volk Israel und die feindlichen Philister gerüstet zum Kampf gegenüber. Eine Schlacht stand kurz bevor. „Da trat aus den Reihen der Philister ein einzelner Krieger hervor. Es war Goliat […] Er war etwa sechs Ellen und eine Spanne groß!“ (1. Samuel 17,4) Diese Größenangaben ergeben, je nach Übersetzung, etwa zwei oder drei Meter Höhe. Goliath, stark bewaffnet und gepanzert, spricht zu den Israeliten und bietet Ihnen einen Deal an: „»Braucht ihr ein ganzes Heer, um diesen Streit zu entscheiden? […] wählt einen Mann aus, der zu mir herunterkommt. Wenn es eurem Mann gelingt, mich zu töten, werden wir eure Sklaven sein. Wenn ich ihm aber überlegen bin und ihn töte, seid ihr unsere Sklaven und müsst uns dienen. […]« Als Saul und die Israeliten die Worte des Philisters hörten, erschraken sie und hatten große Angst..“ (1. Samuel 17, 8 – 11).

Dies war die Ausgangssituation. „Vierzig Tage lang, am Morgen und am Abend, baute sich der Philister vor den Israeliten auf.“ (1. Samuel 17,16) Niemand war bereit sich dem Kampf mit Goliath zu stellen. David, der Jüngste von vier Brüdern, ein Hirte, kam an einem Tag zu dem Ort wo sich die beiden Heere aufgestellt hatten um seinen älteren Brüdern Essen zu bringen. Dabei hörte er die Worte von Goliath. David fragte bei ein paar Männern nach, was derjenige bekommen würde, der diesen Philister töten würde. Durch diese Fragen auf ihn aufmerksam geworden wurde David zum König Saul gerufen. Dort sagt David, dass er sich Goliath stellen möchte. Saul wehrte erst ab und sagte: „»Es ist völlig ausgeschlossen, dass du gegen diesen Philister kämpfst. Du bist doch noch ein Junge und er ist schon von Jugend auf ein Krieger!«“ (1. Samuel 17,33). David jedoch erzählte, dass er als Hirte auch seine Schafe vor Raubtieren beschützt, sodass Saul ihm schließlich eine hochwertige Rüstung für den Kampf anbot. Doch David sagte er könne sich in dieser Rüstung nicht bewegen und legte die Rüstung wieder ab.

Stattdessen holte sich David fünf Kieselsteine und seine Schleuder als Bewaffnung für den Kampf. Damit ausgerüstet trat er vor Goliath. Dieser schnaubte verächtlich bei dem Anblick von David. „»Bin ich ein Hund«, rief er David zu, »dass du mit einem Stock auf mich zukommst?« Und er verfluchte David im Namen seiner Götter. »Komm herüber, ich werde dein Fleisch den Vögeln und wilden Tieren vorwerfen!«, rief er David zu.“ David rief zurück, dass er im Namen des Herrn, des Allmächtigen kommt und dieser Herrn Goliath heute besiegen wird. „Als der Philister sich auf ihn zubewegte, um ihn anzugreifen, lief David ihm rasch entgegen. Er griff in seine Hirtentasche, holte einen Kiesel heraus, schleuderte ihn und traf den Philister an der Stirn. Der Stein bohrte sich in seine Stirn und er fiel mit dem Gesicht voran auf den Boden. So triumphierte David nur mit Stein und Schleuder über den Philister, besiegte und tötete ihn. […] Als die Philister sahen, dass ihr stärkster Mann tot war, flohen sie.“ (1. Samuel 17, 43 – 51).

Diese Geschichte von David gegen Goliath liegt zugrunde, wenn die Redewendung benutzt wird. Heutzutage wird sie meistens gebraucht um einen Kampf oder Wettstreit zwischen zwei unterschiedlichen Parteien zu beschreiben, wie beispielsweise der Favorit gegen den absoluten Außenseiter. Das Schöne an dieser biblischen Geschichte ist, dass hier so ein benachteiligter Außenseiter gegen den in allem Punkten überlegenen Gegenspieler triumphiert hat.

Die gesamte Geschichte von David und Goliath ist nachzulesen in 1. Samuel Kapitel 17

 

Ein Herz und eine Seele sein

 

Wenn man seinen Freunden, der Familie oder dem Partner besonders nahesteht, dann kann man dies als „ein Herz und eine Seele sein“ beschreiben. Die Redewendung heißt, man ist füreinander da, versteht den anderen und ist eng befreundet.

Diese Redensart hat Ihre Herkunft in der Bibel. Sie stammt aus dem Neuen Testament, wo es um die Gläubigen geht, die erste christliche Gemeinschaft quasi, nachdem Jesus auferstanden war von den Toten und wieder in den Himmel hinaufgefahren war. In diesen Anfängen des Christentums werden die Gläubigen in Ihrer Gemeinschaft untereinander wie folgt beschrieben:

„Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete etwas von seinem Besitz als privates Eigentum. Was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam.“ (Apostelgeschichte 4,32)

Dies ist der Ursprung dieses Sprichwortes. Sie lebten also in einer friedlichen Gemeinschaft miteinander, wo jeder mit jedem alles teilte, was sie besaßen.

 

Hiobsbotschaft

 

Der Begriff Hiobsbotschaft wird oftmals dann gebraucht, wenn eine negative Nachricht überbracht werden muss. Ob es ein Brief ist, der eine Kündigung beinhaltet, ein Arzt, der die Nachricht einer schweren Krankheit überbringen muss, oder ein Verwandter, der die Todesnachricht eines Familienmitglieds weitergeben muss. All dies kann als Hiobsbotschaft beschrieben werden.

Diese Bezeichnung geht auf die biblische Geschichte von Hiob aus dem Alten Testament zurück. In dieser Geschichte erhält Hiob, ein gerechter und frommer Mann, viele Nachrichten über Unglücke, die passiert sind. Beispielsweise sterben seine Tiere und Knechte, seine Kinder kommen um und auch ihn trifft eine schwere Krankheit. Hiob erfährt von vielen dieser schrecklichen Vorkommnisse durch Boten, die ihn in kurzen Abständen nacheinander aufsuchen und ihm die „Hiobsbotschaft“ überbringen.

Die gesamte Geschichte von Hiob ist nachzulesen im Buch Hiob.

 

Hochmut kommt vor dem Fall

 

Das Buch der Sprüche im Alten Testament in der Bibel ist eine Sammlung von vielen Verhaltenstipps und Weisheiten rund um den Glauben, vor allem jedoch für das praktische Leben miteinander. „Hochmut kommt vor dem Fall“ ist so ein Spruch. Er wird auch heutzutage noch benutzt als eine Art Warnung und ist eine weit verbreitete Volksweisheit.

“Stolz kommt vor dem Verderben und Hochmut vor dem Fall.“ (Sprüche 16,18)

 

Tohuwabohu

 

Umgangssprachlich wird dieses Fremdwort oft gebraucht, wenn man von einer großen Unordnung spricht. Die Wortherkunft von Tohuwabohu stammt aus der Bibel, aus der hebräischen Sprache. Auf hebräisch bedeutet Tohu wa bohu so etwas wie „wüst und leer“, es kann aber auch mit „Finsternis und Abgrund“ übersetzt werden.

Im aller ersten Buch der Bibel, in der Schöpfungsgeschichte, kommt dieses Wort vor. Es wird berichtet wie Gott aus Chaos und Wirrwarr eine geordnete, von ihm erdachte, Welt erschafft. Tohuwabohu beschreibt hier den ursprünglichen Zustand der Welt, deshalb kommt es bereits im zweiten Satz der Bibel vor. Es herrschte zwar ein Durcheinander, aber Gott hat dies geordnet. So kann man auch interpretieren, dass jemand der heute die Redewendung Tohuwabohu nutzt, zwar ein großes Chaos sieht, aber die Hoffnung auf Ordnung trotzdem besteht.

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“ (1. Mose 1, 1 - 2)

 

Was man sät, das wird man ernten

 

Das Sprichwort „Was man sät, das wird man ernten“ wird heutzutage gerne gebraucht und ist auch gesellschaftlich recht akzeptiert, da es auch eine Art Naturgesetz ist. Auf Saat folgt die Ernte. Dieses Motto davon, dass ein Mensch das erhält was er gesät hat kann ein gewünschtes, positives Verhalten von Menschen fördern und sie so davor bewahren eigennützigen, negativen, oder sogar richtig fiesem und bösem Verhalten nachzugehen. Diese Redewendung ist also eine Art Grundgesetz welches für alle Menschen gilt und als Christen sind wir natürlich dazu aufgefordert Frieden und Liebe zu säen.

Die folgenden Bibelstellen zeigen den biblischen Zusammenhang von der Redensart „Was man sät, das wird man ernten“:

“Täuscht euch nicht! Macht euch klar, dass ihr Gott nicht einfach missachten könnt, ohne die Folgen zu tragen. Denn was ein Mensch sät, wird er auch ernten. […] deshalb werdet nicht müde zu tun, was gut ist. Lasst euch nicht entmutigen und gebt nie auf, denn zur gegebenen Zeit werden wir auch den entsprechenden Segen ernten. Lasst uns jede Gelegenheit nutzen, allen Menschen Gutes zu tun, besonders aber unseren Brüdern und Schwestern im Glauben.“ (Galater 6, 7 - 10)

„Und wer Frieden stiftet, wird in Frieden säen und Gerechtigkeit ernten.“ (Jakobus 3,18)

 

Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein

 

Das bekannte Sprichwort “Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein” stammt aus der Bibel. Es ist eine weit verbreitete Redewendung, die quasi eine Warnung vor verwerflichem und falschem Handeln ist. Die Redensart besagt, dass ein Mensch, der einem anderen Menschen etwas Böses antun möchte, in der Gefahr steht sich selbst zu schaden, beziehungsweise sich eigentlich gegen sich selbst richtet.

“Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Wer einen Stein auf andere wälzt, auf den wird er zurückrollen.” (Sprüche 26,27)

Es fallen bei diesem Spruch Parallelen zu einem anderen, aus der Bibel stammenden, Sprichwort auf nämlich die sogenannte Goldene Regel der Bibel, die besagt, dass man andere Menschen so behandeln soll, wie man selbst gerne behandelt werden möchte:

“Geht so mit anderen um, wie die anderen mit euch umgehen sollen. In diesem Satz sind das Gesetz und die Propheten zusammengefasst.” (Matthäus 7,12)

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