Ikonen: die Kraft der Bilder

Die Zerstörung alter Kunst tut jedem Kulturfreund sehr weh. Ob antike Städte und Skulpturen oder ein einhundert Jahre altes Relief zerstört wird, immer geht es um religiöse Intoleranz und den Glauben, dass andere etwas falsch machen und deren Güter und Werte daher für immer von der Erde getilgt werden müssen.

Kreuze und Ikonen als Wegbegleiter

Das Christentum erlaubt die bildliche Darstellung von Menschen und Heiligen, von Jesus und Maria. Damit steht es sowohl im Gegensatz als auch auf einer Stufe zu diversen anderen Religionen. Bilder haben Kraft, daher sind sie bis heute so wichtig. Ein Blick auf unsere Fotografierlust mit Kamera, Smartphone und anderen Geräten verrät viel über unser Verhältnis zu Bildern.

Generationen vor uns haben Heilige verehrt, seit 2.000 Jahren pflegen wir eine der ältesten großen Weltreligionen, die sich heute in eine West- und eine Ostkirche, in Evangelische, Katholische sowie etliche Untergruppen aufgeteilt hat, und doch tragen alle Gläubigen dieser Kirche eine Grundüberzeugung. Nicht, dass das Christentum immer auf dem rechten Weg gewesen wäre, die Abbilder wurden gern missbraucht, beispielsweise unsere Kreuze mit Korpus und auch die wundervoll gearbeiteten Ikonen. Doch vor allem sind es Bilder, Kunstgegenstände und für viele Menschen wertvolle Hilfen in ihrem oft nicht einfachen Leben. Diese Verehrung führt per se weder zu Hass noch zu Gewalt.

Die Kunst der Bilder

Ikonen werden gern auch in privaten Wohnräumen aufgehängt - würden sie aus einer anderen Religion stammen, wären sie nicht weniger bewunderungswürdig. Und genau so sollte es sein: Echte Kunst erkennt man nicht an der Religion, sondern an der Liebe und Kunstfertigkeit, mit der der Künstler gearbeitet hat. Ein Blick in die Hagia Sophia, auf die attraktiven Rundschilde und die verschlungenen orientalischen Ornamente zeigt: Die orientalische Heiligenverehrung ist auch ohne Bilder wirkungsvoll und wunderschön. Lassen wir das eine neben dem anderen stehen! Überhaupt kann, wer möchte, diese berühmte Kirche in Istanbul heute als Zeichen der religiösen Völkerverständigung ansehen. Sie wurde nach orthodoxen, römisch-katholischen und muslimischen Riten genutzt. Heute ist sie ein Museum, wird von Anhängern aller Religionen und ebenso von Nicht-Gläubigen aus aller Herren Länder besucht und sollte als Mahnmal dafür stehen, wie friedlich eine Koexistenz aussehen kann.

Ikonen sind sorgsam gearbeitete Bildmotive von Heiligen, von Maria mit dem Jesuskind, von Christus selbst und seinen Aposteln. In einer Zeit, als nur wenige Menschen lesen und schreiben konnten, übernahmen die Kirchen die Aufgabe, den Menschen die Geschichten der Bibel zu erklären und nahezubringen. Das geschah über die Bilder, die bis heute in all unseren Kirchen zu finden sind, beispielsweise der Leidensweg als Bilderfolge an den Innenwänden: eine ebenso einfache wie praktische Weise, den Menschen den mühsamen Weg Jesu mit dem schweren Kreuz verständlich zu machen.

Auch heute lieben wir die Kraft der Bilder und verwöhnen uns damit zu Hause, unter anderem durch einen Haussegen. Kreuze, Ikonen und Haussegen sind daher vielseitige und einfallsreiche Geschenkideen.

Sammler und Bewunderer wissen: Toleranz zählt

Die Hochwertigkeit der Ikonen ist unumstritten. Viele Menschen sammeln sie wie Kunstobjekte, die anderen verehren sie auf religiöse Weise, denn es sind nicht nur Abbilder, sondern sie stellen eine Verbindung des Betrachters mit dem Dargestellten her, im weiteren Sinne damit auch eine Verbindung zu Gott. Manches Bild wurde an den Stellen, an denen es geküsst wird, mit edlen Silber- und anderen Metallplatten geschützt. Der Glanz der nach festen Regeln erfolgten Ausführung nimmt uns gefangen und wir können unabhängig von unserem Glauben diese Schönheiten einfach genießen - schließlich empfinden Kunstfreunde angesichts vieler großer Gemälde ähnlich. Ein Bildersturm zerstört vor allem die unersetzliche Kunst, aber kaum tiefe und wahrhaftige religiöse Überzeugungen, denn diese wohnen - ebenso wie die Toleranz anderen gegenüber - im Herzen. Das sollten wir niemals vergessen.

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